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Den Wert einer Firma bestimmen – oder was der richtige Verkaufspreis ist?

Treffen Käufer und Verkäufer eines Unternehmens aufeinander, so gehen die Meinungen über den richtigen Wert einer Firma typischerweise auseinander und es stellt sich die Frage, wie der Wert bestimmt werden soll.
Eine Unternehmerin hat uns im Rahmen eines Beratungsgesprächs eine interessante Vorgehensweise dargelegt. Sie hat versucht, den Wert ihrer Firma aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten..

  1. Substanzwert
  2. Lohnwert
  3. Vorsorgewert
  4. Marktwert.

Der Substanzwert

Unter dem Substanzwert versteht sie den Wert der Aktiven der Firma, dieser Wert hängt typischerweise sehr stark von der Branche ab, in welcher das Unternehmen tätig ist. Ein Dienstleistungsunternehmen hat eine komplett andere Bilanz als ein Produktions- oder Industrieunternehmen, das Maschinen und Vorräte besitzt. Für die Berechnung des Wertes stellen sich nun diverse Fragen:

  • Wie soll man die Aktiven bewerten? Nimmt man den Wert aus der Jahresrechnung, bewertet man zu Wiederbeschaffungswerten oder zum Liquidationswert oder gemäss einer anderen Methode?
  • Wie muss die Finanzierungsseite (Passivseite) berücksichtigt werden, damit eine kongruente Sichtweise entsteht?
  • Was passiert mit flüssigen Mitteln und Bank. Gehören diese zum Substanzwert dazu? Wenn ja, wieviel?

Grundsätzlich ist die Substanzwertmethode eine anerkannte Bewertungsmethode in der Literatur, im Zusammenhang mit einem Unternehmensverkauf oder einer Nachfolgeregelung spielt er aber aus unserer Sicht eine untergeordnete Rolle, es sei denn, die Einzelteile sind mehr wert als das gesamte Unternehmen und der Käufer verkauft einige (oder alle) davon an Dritte (zb. Immobilie). Die Substanzwertmethode spielt deshalb eine untergeordnete Rolle, weil Käufer normalerweise mehr am (nachhaltigen) Ertrag der Firma interessiert sind und weniger an der Substanz. Was nützt die Substanz dem Käufer, wenn sie keinen Ertrag generiert?

Der Lohnwert

Unter dem Lohnwert versteht die Unternehmerin den Wert der Firma, der sich aus den zukünftigen Lohnzahlungen ergibt. Das ist eine sehr spannende Überlegung. Es würde bedeuten, dass der Unternehmenswert vom Alter der Eigentümerin abhängt, was natürlich in der Theorie falsch ist, im Einzelfall aber durchaus einen Einfluss auf die subjektive Bewertung haben kann. Betrachtet man diese Bewertungsmethode losgelöst von der Eigentümerin, so entspricht sie einer Art Ertragswertmethode. Bei der Ertragswertmethode erfolgt die Bewertung des Unternehmens anhand einer Ertragskennzahl (Umsatz, EBITDA, EBIT, Reingewinn, etc.), wobei sich die gewählte Kennzahl aus vergangenen oder zukünftigen Werten berechnen lässt. Zählt man zum Lohn den «Gewinn» (operativer Cashflow) der Firma dazu, so ergibt sich der sogenannte Eigentümercashflow, welcher angibt, wie viel Mittel vom Unternehmen im entsprechenden Jahr erschaffen wurden und der Eigentümerin für eigene Lohnzahlungen, Investitionen, Schuldentilgung oder als Reserve fürs nächste Jahr zur Verfügung stehen. Zentral bei dieser Bewertungsmethode ist am Ende die Rentabilität des Geschäftsmodells.

Der Vorsorgewert

Der Vorsorgewert spielt in vielen Überlegungen eine wichtige Rolle: Wie hoch muss der Verkaufserlös sein, damit der gewünschte Lebensstil nach dem Verkauf gesichert ist. Hat das Unternehmen eine gewisse Grösse, kann das eine sehr sinnvolle Herangehensweise sein, um einen Minimumwert festlegen zu können. Bei kleinen oder wenig rentablen Unternehmen gibt es aber häufig eine grosse Diskrepanz zwischen Vorsorgewert und dem erzielbaren Verkaufspreis., Der Vorsorgewert wird hoch, wenn der Eigentümer eine grosse Vorsorgelücke hat, was tendenziell dann der Fall ist, wenn es der Geschäftsgang nicht erlaubt hat, einen adäquaten Lohn auszuzahlen und die Einkaufsmöglichkeiten in die 2. Säule wahrzunehmen.

Der Marktwert

Der Marktwert kann dem errechneten Wert basierend auf der oder den gewählten Bewertungsmethoden entsprechen, muss aber nicht. Am Ende ergibt er sich aus Angebot und Nachfrage, bzw. der Zahlungsbereitschaft des Käufers. Diese hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab, wie zum Beispiel Konstanz der Erträge des Unternehmens, Marktsituation, Konkurrenzumfeld, strategische Optionen UND der Verhandlungsposition des Verkäufers. Je mehr potenzielle Käufer vorhanden sind und je weniger die Verkäuferin unter Druck ist, desto höher wird der erzielte Verkaufspreis ausfallen. Darum lohnt es sich doppelt, rechtzeitig mit den Vorbereitungen zu starten und nachher den Fokus auf die Vermarktung zu legen.